Sonntag, 31. März 2013

sonntags lesenswert 6

Ich war in meinem Bücherkeller... wollte nur ein paar Bücher suchen für LiLi, damit sie was zu lesen hat in den nächsten vier Wochen, in denen wir einen Plan haben. Und dann saß ich eine Stunde im Keller zwischen meinen Büchern. Herrlich. Wie sehr ich sie doch vermisse. Sollte ich vielleicht doch die eine Wand einfach mit Bücherregalen vollstellen? Vielleicht ein Plan den ich umsetzen sollte.

Eines der Bücher, die mir dabei in die Hand gefallen sind, ist "Verbrechen" von Ferdinand von Schirach, empfohlen von einem guten Freund und einfach ganz groß.

Im ersten Moment, meint man, man hat ein Buch mit Krimikurzgeschichten in der Hand, schließlich ist der Autor Berliner Starfverteidiger und tatsächlich geht es auch in allen Geschichten um Verbrechen.

Aber viel mehr, ist es eine Sozialstudie, ein Beschauen, warum Menschen Dinge tun, was sie dazu führt. Was sie dazu führt zu vertuschen und zu verschleiern, zu Morden, zu stehlen. Die Abgründe des Menschen, die oft, so nah an der Oberfläche sind.

Ich mag seinen Schreibstil sehr gerne, er schreibt, als würde er kurz und knapp berichten und dabei verliert er sich nie, sondern konzentriert sich immer auf das Wesentliche. Wenn er beschreibt, dann immer um einen Menschen zu skizzieren. Nicht um einen leeren Raum zu füllen. Und er skizziert so, obwohl so knapp, dass man den Menschen fast berühren könnte.

Ein kurzes Lesebeispiel:

"Fähner

Friedhelm Fähner war sein Leben lang praktischer Arzt in Rottweil gewesen, 2800 Krankenscheine pro Jahr, Praxis an der Hauptstrasse, Vorsitzender des Kulturkreises Ägypten, Mitgleid im Lionsclub, keine Straftaten, nicht einmal Ordnungswidrigkeiten. Neben seinem Haus besaß er zwei Mietshäuser, einen drei Jahre alten Mercedes E-Klasse mit Lederausstattung und Klimaautomatik, etwa 750 000 Euro in Aktien und Obligationen und eine Kapitalversicherung. Fähner hatte keine Kinder. Seine einzige noch lebende Verwandte war seine sechs Jahre jüngere Schwester, die mit ihrem Mann und zwei Kindern in Stuttgart lebte. Über Fähners Leben hätte es eigentlich nichts zu erzählen gegeben.

Bis auf die Sache mit Ingrid.

-

Mit 24 Jahren hatte Fähner Ingrid auf dem sechzigsten Geburtstag seines Vaters kennengelernt.
(...)
Sie war drei Jahre älter als Fähner, eine handfeste Provinzschönheit mit schweren Brüsten. (...) Die seltsam hohe, metallische Stimme, die keinerlei Modulation zuließ, irritierte Fähner. Nur wenn sie leise sprach, hatten ihre Sätze eine Melodie.
(...)
Die Hochzeitreise ging nach Kairo, es war sein Wunsch. Wenn man ihn später nach Ägypten fragte, sagte er, es sei "schwerelos", auch wenn er wusste, dass ihn niemand verstand. Er war dort der junge Parsifal, der reine Tor, und er war glücklich. Es war das letzte Mal in seinem Leben.
(...)
Fähner arbeitete im Garten. Er war jetzt 72, vor vier Jahren hatte er seine Praxis verkauft. Wie immer war er um sechs Uhr aufgestanden. Er hatte das Gästezimmer - er wohnte schon seit Jahren dort - leise verlassen. Ingrid schlief noch. Es war ein leuchtender Septembervormittag. Der Frühnebel hatte sich zurückgezogen, die Luft war klar und kalt. Fähner jätete mit der Hacke das Unkraut zwischen den Herbststauden. Es war eine anstrengende und eintönige Arbeit. Fähner war zufrieden. Er freute sich auf den Kaffee, den er wie immer in seiner Pause um halb zehn trinken würde. Fähner dachte an den Rittersporn, den er im Frühjahr gepflanzt hatte. Er würde im Spätherbst ein drittes Mal blühen.

Plötzlich riss Ingrid die Terassentür auf. Sie brüllte, er habe schon wieder vergessen, das Fenster im Gästezimmer zu schließen, er sei einfach ein Idiot. Ihre Stimme überschlug sich. Blankes Metall.

Fähner würde später nicht genau beschreiben können, was er in diesem Moment dachte. Es habe in ihm, ganz tief unten, hart und scharf zu leuchten begonnen. Alles sei überdeutlich in diesem Licht gewesen. Gleißend.

Er bat Ingrid, in den Keller zu kommen,... . "

Lesen. Unbedingt. Und dann auch gleich danach das zweite Buch von ihm "Schuld".
Keine leichte Kost, aber welche leichte Kost ist schon wirklich gut?

m.

Freitag, 29. März 2013

der plan

Also das war so. Neulich im Fitnessstudio, an irgendeinem dieser komischen Geräte mit komischen Namen an denen man Übungen mit komischen Namen machen muss/kann/soll/will. Musik auf den Ohren. LiLi war auch da, aber sie wollte lieber mit Musik auf den Ohren trainieren, sie musste Aggressionen abbauen. Sie kam gerade vom Arzt, der ihr eine chronische Gastritis diagnostiziert hatte. Was das heißt? Kein Alkohol, kein Kaffee, kein Zucker, kein extrem Sport, kein Garnichts. So ziemlich. Trockene Brötchen und leicht verdauliches, gedünstetes Gemüse ohne Gewürze. Also, alles was Spaß macht  - nicht. Und ich machte da also so die Übungen und sah das deprimierte Gesicht von LiLi und wenn ich eins nicht mag, dann ist es das deprimierte Gesicht von LiLi. Aber ich konnte sie doch sehr gut verstehen, hatte doch gerade in letzter Zeit, unser Lebenswandel eher etwas von Kamikaze-Vollgas-alles was geht, als von "wir sind dann mal vernünftig". Und dann machte ich diese dämlichen Übungen und dachte, das mach ich jetzt seit drei Monaten, aber so richtige Erfolge sieht man nun auch nicht, könnte daran liegen, dass wir sonst Kamikaze-Vollgas und da hilft auch dreimal die Woche Sportstudio nicht so viel... Also man müsste das ganze ganzheitlicher angehen. Wir könnten doch unseren Körpern mal was richtig Gutes tun und nicht: mal was Gutes tun und dann wieder Kamikaze. Und dann war der zweite Gedanke: in vier Wochen Urlaub. Bikinifigur und so weiter. Nach 10 mal weiter hoch und runter oder irgendwas sinnlos zusammendrücken, stand der Plan. Es ist nämlich total blöd, wenn man allein auf alles verzichten muss. Aber gemeinsam geht das schon besser. Und man muss ja nicht auf alles verzichten, sondern man lässt einige Dinge weg und gewinnt andere Dinge dazu. So muss man das mal sehen. Einfach mal positiv. Hab zur Zeit soviel positive Energie, da kann ich einiges von abgeben.

Und zack, am näcshten Gerät LiLi gezwungen die Stöpsel aus den Ohren zu nehmen und ihr den Plan erzählt:
Ab Montag, vier Wochen lang: kein Alkohol, kein Zucker, kein Fett. Gesunde Ernährung, gesunder Sport, viel frische Luft, ganz viel Kultur, Entspannung. Gemeinsam. Der eine motiviert den anderen.

Und das machen wir jetzt. Ab Montag.

Und dann in vier Wochen in den Urlaub fliegen. Fit.

YAY!!!
Freu mich drauf!

m.

P.S. Und ich muss weniger rauchen. Das schaff ich auch schon. Steck mir schnell noch eine an. Ist ja erst Freitag.

Ode

Dunkles Haar, die Haut wie Schnee
Schneewittchen wäre eifersüchtig
Die Augen strahlend blau
dem Himmel Konkurrenz
das Herz roter als das Blut
dass es pumpt.
Und der Geist
hell wie die Sonne -
Du, Du, Du.

P.V.

Freitag, 8. März 2013

gehst du?

das hört sich jetzt ein bisschen nach "sex and the city" an, aber ich habe einen auftrag. einen auftrag von der besten uschi der welt: erklär doch mal, wie geht das mit der Verknuserung von Ex-Freunden oder wieviele Wege gibt es eine Beziehung zu beenden und wann ist sie wirklich beendet? Und ist man immer der Buhmann, wenn man derjenige ist, der es beendet? (entschuldige Uschi, aber den Teil mit der Emanzipation der Frau den muss ich dir schuldig bleiben, das geht dann doch etwas zu weit.)

Da das ja nicht nur eine Frage ist, sondern mehrere komplex, zusammenhängende Fragewürste, fällt es mir etwas schwer anzufangen. Das Thema ist ja auch nicht neu und ich nicht die erste, die um eine Erklärung gebeten wird. und ich könnte jetzt ehrlich sein und einfach sagen: ich habe keinen plan. aber für die beste uschi der welt ist das definitiv eine faule ausrede und sie wird sagen: erst musst du es versuchen und dann kannst du sagen, dass du keinen plan hast. Ich könnte aber auch sagen, dass sie da doch lieber jemand anderen fragen sollte, jemanden mit mehr erfahrung. dann wird sie aber leider antworten: so jemanden kenne ich nicht.

Ich scheine also, nicht drum rum zu kommen. Nicht unbedingt, weil ich einen plan habe, aber anscheinend , weil ich erfahrung habe.

Wo fange ich nur an, bei dieser Wurst aus Fragen mit zwei Enden. Bei der es um das Enden geht. Das Ende von etwas, von dem man am Anfang dachte, es würde nie zu Ende gehen. Sollte man zumindest gedacht haben, sonst hätte man es schließlich gar nicht anfangen sollen. Gehen wir also von der idealen Ausgangssituation aus: zwei lieben sich. so von kopf bis fuss und in den kleinen winkeln und ecken und in den fingerspitzen fühlt der eine den anderen. und die welt ist rosig und watteweich und natürlich auch spannend und kribbelnd. und das kann sogar über jahre so anhalten. und dann auf einmal: plop. seifenblase geplatzt, weil der eine den anderen nicht mehr in seinen fingerspitzen fühlt, aus welchen gründen auch immer.
und da ist wohl schon die erste Antwort. Nein, man ist nicht der Buhmann, wenn man derjenige ist, der etwas beendet, das nicht mehr ist. Ich finde, man ist der Buhmann, wenn man bleibt, obwohl man den anderen nicht mehr in den fingerspitzen fühlt. es ist nicht einfach, der wahrheit ins gesicht zu sehen und es ist noch viel schwieriger, einem menschen, den man einmal sehr geliebt hat, zu sagen, dass man das nun nicht mehr tut. Und sich sicher sein muss, dass es wirklich so ist und nicht nur eine kurze Phase, in der man den anderen gerade einfach nicht mochte, oder weil die umstände so schwierig waren. und man sich fragen muss, muss ich noch kämpfen oder hat der kampf keinen sinn mehr? das ist doch schrecklich schwierig. Und wenn man einsehen muss, alles kämpfen hilft nicht mehr. man allen mut zusammen nehmen muss, den man aufbringen kann und ganz ehrlich sein und am besten seine hände zu fäusten ballt, wegen der fingerspitzen. es gibt tausend wege eine beziehung zu beenden. es gibt so ein schönes gedicht von else lasker-schüler. dir. ich finde es nur nicht. ich werde es nachreichen. an dieser stelle. es beschreibt, wie man es ganz vorsichtig sagen sollte. man sollte versuchen es vorsichtig zu sagen. (Uschi, ich gehe jetzt mal davon aus, dass du jetzt nicht von mir hören wolltest, dass schlussmachen per sms nicht geht.)
* und hier der Nachtrag, das Gedicht:

Dir

Drum wein' ich,
Dass bei Deinem Kuss
Ich so nichts empfinde
Und ins Leere versinken muss.
    Tausend Abgründe
Sind nicht so tief,
Wie diese große Leere.
Ich sinne im engsten Dunkel der Nacht,
    Wie ich Dir's ganz leise sage,
Doch ich habe nicht den Mut.
Ich wollte, es käme ein Südenwind,
Der Dir's herüber trage,
Damit es nicht gar voll Kälte kläng'
Und er Dir's warm in die Seele säng'
    Kaum merklich durch Dein Blut.

Else Lasker-Schüler


Und es ist ja auch nie so, dass derjenige, der verlässt, am nächsten Tag lustig herum springt und vor freude quietscht. es beginnt auch für ihn die phase des Entwöhnens, die Vertrautheiten, die Nähe, die eine Person, mit der man alles geteilt hat, fehlt. die fingerspitzen fühlen sich auch von ihm ganz verloren und verlassen und spüren nur noch sich selbst. Und die erinnerung an den anderen. und das ist auch nicht einfach. das ist dieses, wann ist eine beziehung wirklich beendet? wann hört das auf, dass man nicht mehr daran denkt, dass muss ich ihm/ihr erzählen, das hätte er/sie schön gefunden. wann hört das auf, dass man bei einem geruch, einer sache, die passiert, nicht mehr an den anderen denkt? ist eine beziehung wirklich in dem moment beendet, wenn einer geht? nach der ersten nacht allein? ist der neue morgen dann schon das gelebte ende? und was tut man, wenn die fingerspitzen sich immer noch erinnern und immer weiter erinnern? und nochmal spüren wollen? und nochmal spüren wollen?

Und da muss derjenige, der verlässt stark sein. das ist wohl das schwierigste. und das ist der schmale Grad, wo er doch noch zum Buhmann werden kann, in dem moment, in dem er geht, aber doch nicht loslässt, weil er seine fingerspitzen immer mal wieder ausfährt, um noch einmal zu spüren, was da war, aber nicht mehr ist. das darf er nicht tun. er muss dem verlassenen die chance geben, sich zu entlieben und das wird er nicht können, wenn der verlasser, immer wieder einmal mit der spitze seines zeigefingers über des anderen herzen streicht.

der verlasser sollte seine fingerspitzen ganz tief in seine hosentaschen stecken, und dort vergraben, wenn er sich ganz sicher ist.
und der verlassene sollte seine fingerspitzen nach anderen dingen ausstrecken, schönen dingen, die sie ablenken, vergessen lassen. wegwischen. bis er irgendwann wieder mit leeren händen da steht.

mit leeren händen streichelt es sich am besten. ein neues herz.

Du hier bleiben

Ganz oft ist es gut in der Ferne zu sein und zu leben. Den Schritt gewagt zu haben, die Abnabelung durchgezogen, zum zweiten Mal im Leben.

Als man damals ging, aus dem Elternhaus, um die Welt zu erobern, war es ein ganz anderes Gehen. Es war selbstverständlich, es wurde nie die Frage gestellt, ob man gehen sollte, höchstens wohin. Wo fange ich an, mein eigenes Leben zu gestalten, wo treffe ich meine ersten ganz eigenen Entscheidungen. Und wenn man dieses WO gefunden hat und es sich zu seinem DA gemacht hat, mit allem was dazu gehört, der Zigarettenverkäufer um die Ecke, der sich schon zu den richtigen Zigaretten umdreht, wenn man die Tür aufmacht und er bei einem Blick ins Gesicht erkennt, heute abend auch ein Bier zu den Zigaretten. Der Gemüsemann, der immer etwas nettes sagt, auch wenn man nur vorbei geht. Alle Wege für sich selbst erlaufen hat und sie in die Füße gewandert sind, so dass man sie auch laufen kann, wenn man nachts leicht angetrunken aus der Stammkneipe stolpert und sich am nächsten Morgen beim besten Willen nicht mehr erinnern kann, wie man nach hause gekommen ist, aber die Füße wussten den Weg. Alle Freunde, die man gefunden hat, was nicht immer einfach war, zu erkennen, dass sie die Seelenverwandten sind, aber als man es erkannte, so froh war. Die Familie, die auch da ist (nachgezogen, in mein DA). Die Morgen, die Mittage, die Abende und alle Nächte. Die Gerüche und die Geräusche. Alles so vertraut.

Und wenn man sich dann entscheidet das alles zu verlassen, dann überlegt man sehr gut. Das ist eine schwere Entscheidung, das eigene DA aufzugeben, um ein neues WO zu erkunden. Sich trauen, herauszufinden, wo kaufe ich dort meine Zigaretten, wo gehen meine Füße denn dann nachts hin, wenn sie doch noch den alten Weg in sich tragen? (Am besten am Anfang nicht zu viel Alkohol trinken, nur zur Sicherheit). Wenn man alle Für und Wider abgewogen hat und sich entschieden hat: ich gehe, dann ist das den großteil der Zeit aufregend und gut und neu und interessant und manchmal schwierig und manchmal ein bisschen einsam. Aber meistens ist es gut und man ist froh über seine Entscheidung. Man verlässt zwar alles, aber man weiß, dass es ja noch da ist da, nur weil man selbst fortgeht, heißt das ja nicht, dass alles andere verschwindet. Man kann besuchen, man kann telefonieren, man kann schreiben. man hat soviele bilder und erinnerungen an die menschen in sich, die einem soviel bedeuten. und auch wenn man sich lange nicht sieht, ist das nicht schlimm. man fängt dann einfach wieder da an zu erzählen, wo man das letzte Mal aufgehört hat.

Nur eine Sache gibt es. und die kann niemand ersetzen, die kann nichts gut machen, die wird man jeden tag vermissen, die kann man sich nicht schön reden. die versetzt einem jeden einzelnen Tag in der Ferne einen Stich und macht die Ferne nicht mehr ganz schön. Man kann nicht erleben, wie Kinder aufwachsen, die von Schwestern. die man in der Schwangerschaft begleitet hat, mit der man solidarisch unglaubliche Mengen Häagen Dasz gegessen hat, mit der man 14 Stunden im Kreissaal mitgelitten hat und nach 14 Stunden den kleinen Wurm in den Armen hielt und es gar nicht fassen konnte (dann aber schnell zu mcdonalds düsen musste, weil die schwester dringend einen big mac brauchte). Und dann die Tage und Wochen danach und die ersten Male, die tausend ersten Male, lachen, sitzen, laufen, erste Worte, erster Geburtstag. Viel zu wenig Zeit gehabt, viel zu viel verpasst, aber doch immer da gewesen, um die ecke. die erste Übernachtung bei mir, dieses kleine Wesen, schlafend in meinem Bett und selbst kein Auge zu tun, weil man schauen muss, wie er schläft, die kleinen händchen zu fäusten geballt, manchmal durchzuckt es den kleinen körper und ganz früh morgens, es ist noch dunkel, wacht er auf und blinzelt mit seinen kleinen augen und kuschelt sich an und wacht so ganz langsam auf... und dann mit vollgas in den neuen Tag. es gibt soviel zu erleben und erlernen und zu entdecken.

Und dann geht man weg. und dann ist man nicht mehr um die ecke. kann nicht mehr zuschauen. ist nicht mehr dabei, kann es sich nur erzählen lassen. kann fotos anschauen, kann noch nicht mal mit ihm telefonieren. weil er noch nicht so recht weiß, wie das geht. nur ein bisschen. kann nicht mehr knuddeln und herzen und umarmen und rumblödeln. nur immer mit monaten abstand. die besuche sind viel zu selten. und viel zu kurz. können nicht das alltägliche leben und das alltägliche verpassen wieder gut machen.

Man ist so außen vor. und dann gibt es die geburtstage, die ohne einen stattfinden, die besonderen tage, die erlebnisse und alle technik und weltweite vernetzung helfen nicht. sie können nur bruchstücke von dem zeigen. können nur ein bisschen nah holen, aber schaffen doch keine nähe. es ist nicht möglich, dass er deine hand nimmt, kurz bevor er wieder abreisen muss und dich mit großen blauen augen anschaut und sagt: du hier bleiben. und er meint sich selbst damit, denn er hat noch nicht gelernt, dass er ein ich ist, denn alle sagen ja immer du zu ihm.

Und dieser Moment, in dem ein stückchen von deinem herz bricht und du dich selbst verteufelst für diese entscheidung, wegzugehen, nicht zu erleben, wie er lernt, dass er ein ich ist. und du wieder einmal auf besuch fährst, in das alte WO und nur denkst: du hier bleiben.

m.

Sonntag, 3. März 2013

little things...

man sagt ja immer, es sind die kleinen dinge, die das leben schön machen. und davon bin ich aber sowas von überzeugt. also lebensmotto, quasi. (könnte daran liegen, dass ich für die großen Sachen nicht das nötige kleingeld habe... aber das sei jetzt mal dahingestellt) - also erfreue ich mich jeden tag an den kleinen dingen. geht ganz einfach, wenn man ein bisschen die augen auf macht - gut, es gibt tage, an denen es etwas schwerer fällt, aber gerade an denen, wenn einem dann so eine kleine sache auffällt oder widerfährt - dann ist sie besonders gut und holt aus den ganz ganz tiefen Tiefen aus einem ein lächeln - und das macht dann den tag doch noch zu einem schönen.

anscheinend geht es nicht nur mir so, es gibt noch andere, die sagen: lebensmotto. gibt sogar jemanden, der all diese kleinen dinge aufschreibt und einen blog draus gemacht hat:

Just little things....

und das ist eine meiner kleinen sachen: lesen, dass jemanden etwas genauso glücklich macht, wie mich.

hier ein paar von ihren "little things" die mich haben schmunzeln lassen, weil sie auch ein lächeln auf meine lippen zaubern:










und natürlich habe ich auch kleine, eigene, z.b.:

- nachts schaukeln.
- mit einer welle mitschwimmen und sich vom wasser tragen lassen.
- einen handgeschriebenen brief im briefkasten finden.
- wenn man ein schönes foto macht.
- die letzte seite eines guten buches lesen und sich wünschen, es wäre nicht die letzte.
- nachts mit guter musik auf den ohren durch irgend eine stadt laufen.
- blumen ins büro geliefert bekommen.
- ein richtig gutes lied hören und ganz laut mitsingen.
- im bett liegen und der sonne beim aufgehen zu schauen.
- tbc.

m.
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sonntags lesenswert 5


"Er ist wieder da" - Timur Vermes
 Musste ich ja lesen. Das ist so ein Buch, das man lesen muss, um darüber zu sprechen. Und zu urteilen. Zu verurteilen oder zu loben. Und ich kann mich nicht ganz entscheiden. Was ich machen soll.
Es fängt großartig an, guter Wortwitz, intelligent, großartige Einfälle und immer dieser leichte Schauer, der einen über den Rücken rollt, wenn man sich reindenkt - die gedanken von ihm, die alle als Scherze auffassen - es sind aber keine Scherze. War so - damals - und auch wenn man ihn in 2011 wieder aufwachen lässt...

also wirklich ein gutes Buch. Das einen zum Lachen und Nachdenken bringt. Es hat nur seine Längen und es hat irgendwie so kein Ende und irgendwie bleibt auch ein bisschen die Angst: und wenn das jetzt jemand liest, der nicht so denkt, wie ich, sondern so denkt wie ein Gehirnamputierter (davon gibt es ja soviele) und einige von denen können lesen, wirklich! Auch wenn sie natürlich im Buch auch entsprechend dargestellt werden, aber hilft das? Denken sie am Ende nicht: genauso einen bräuchte es! Der bringt es auf den Punkt!

Man kann nur hoffen, dass die Gehirnamputierten einfach den Weg in den Buchladen nicht finden. Dann ist es ein gutes Buch.

Besonders hervorzuheben finde ich Hitlers Verwunderung über die anscheinend geistesgestörten Frauen, die im Park hinter ihren Hunden her laufen und den Hundekot in dafür extra zur Verfügung gestellte Hundekotsäckchen füllen - Deutschland scheint sich um seine Geistesgestörten zu kümmern.

Also lesen, damit man darüber sprechen kann und wirklich einige Male herzhaft lachen kann.

m.

Samstag, 2. März 2013

warten bis die Sonne rauskommt

Manchmal braucht man Ablenkung vom Warten, darauf dass die Sonne rauskommt. Nur sind es immer diese Momente, in denen einen einfach nichts ablenkt, was so um einen herum ist...kein buch (das buch ist soooo fad... warum muss man auf 600 seiten beschreiben wie ein junge mit einem tiger in einem boot sitzt???), kein film (die dvd auswahl ist mau und klein und tausendmal gesehen), keine freundin verfügbar (die eine ist ja immer nicht da, weil sie ja nicht da wohnt, die andere, die sonst  immer da ist, ist auch nicht da). Bleibt nur aus dem Fester starren, bis die Sonne rauskommt.

Was wäre in einer perfekten Welt, jetzt die perfekte Ablenkung?

1. Das Buch "Noch ein Tag und eine Nacht"  von Fabio Volo - wunderschöne Liebesgeschichte - ein bisschen zu schlau manchmal, aber manchmal sehr schlau und schön und gut.

"Sie ist für mich ein Haus mit Glasdach. Ich kann den Himmel sehen und fühle mich trotzdem geborgen."


2. "Sleepless in Seattle" - neulich dran gedacht und seit dem unbedingt endlich mal wieder sehen wollen. der geht immer, auf die couch kuscheln, irgend etwas leckeres zum schnabbulieren dazu und die zeit verfliegt. und weil die zeit so schnell verfliegt, gleich noch "Während du schliefst" hinter her... Beide nicht auf DVD - ich sollte sie schnell kaufen gehen, wie kann ich nur ohne sie leben? ohne sie leben geht nicht, also muss ich sie gleich kaufen.


3. Gute Musik - die hier macht mir gerade Freude


Danke beste Uschi der Welt, mal wieder ein Knüller! Twist the Knife ist sehr sehr groß.

Und wieder entdeckt, nach Jahren und immer noch jedes Wort mitsingen (am besten sehr sehr laut, liebe Nachbarn, tschuldigung nochmal wegen gestern abend) können:


das mag ich, wegen der ersten Zeile: Wait a minute man you mispronounced my name - Story of my life...


4. schlaue Sprüche auf pinterest finden...



5. Fotos von Freundin machen:




6. oder das kopfkino einschalten und sich die sonne denken...



7.oder gar nicht warten, weil warten sinnlos ist.

m.